Konsequent weitergehen

Kommentar von Renato Cavoli

(Willisauer Bote, Freitag, 23. September 2011)

 

Geich vier Ringer aus unserer Region – je zwei vom RC Willisau und von der RR Hergiswil – nahmen vor einer Woche an den Weltmeisterschaften in Istanbul teil. Nimmt man die Resultate zum gültigen Massstab – unsere Athleten schieden nach jeweils einem verlorenen Kampf bereits aus – hält die Qualität mit der Quantität bei weitem nicht Schritt. Und da die Zuversicht bei den Vereins- und Nationalteam-Verantwortlichen recht gross war, zumindest eine, vielleicht sogar zwei Runden zu überstehen, darf man angesichts der Resultate durchaus von einer Ernüchterung sprechen. Und das, ohne dabei den Athleten, die einen enormen Aufwand auf sich nahmen und, zumindest während mehrerer Wochen, eine hochprofessionelle Vorbereitung absolvierten, zu nahe zu treten.

 

Die Resultate in Istanbul haben einmal mehr gezeigt, dass unsere besten Ringer in der nationalen Mannschafts-SM schlicht zu wenig gefordert werden. «Zu Hause», in ihrem angestammten sportlichen Wirkungsfeld, sind sie klar die Besten ihrer Kategorien und praktisch nicht zu bezwingen. Doch international weht ein ganz anderer Wind, das bestätigen auch die Trainer und Ve­reinspräsidenten, welche die WM in Istanbul vor Ort verfolgten. Die Spitzenringer der führenden Ringernationen, alles 100-Prozent-Profis, sehen sich in ihren Ländern einer ehrgeizigen und leistungsfördernden Konkurrenz ausgesetzt, müssen sich also auch zu Hause immer wieder bestätigen.

 

Vom fehlenden Glück, von fehlender Cleverness und Schlitzohrigkeit im Bodenkampf war nach den Niederlagen in Istanbul oft zu hören. Tatsächlich bekam man den Eindruck, dass die Schweizer, und hier auch die vier «WB-Ringer» Marco Riesen, Jonas Bossert, Patrick Stadelmann und Thomas Suppiger, nicht weit von den Besten entfernt sind. Die Kluft zwischen den Medaillengewinnern und den Schweizern scheint kleiner geworden zu sein. Aber wer sich Olympia 2012 in London zum Ziel gesetzt hat, der muss weiterkämpfen, auch in Zukunft jeden Vergleich mit den Weltbesten wahrnehmen.

 

Ein Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2012 war das Schweizer Ziel in Istanbul. Es wurde klar verfehlt. Katerstimmung wäre aber fehl am Platz. Im Gegenteil: Die WM in der Türkei analysieren und den eingeschlagenen Weg noch konsequenter weitergehen, das muss die Devise sein. Nur dann machen die enormen Schweizer Anstrengungen im Vorfeld der WM auch im Nachhinein noch Sinn.

Projekt Napfringer - Olympia 2012