
20.9.2010
Lehrgeld – aber kein K.O.
Kommentar von Renato Cavoli, Willisauer Bote
Aus in Runde eins! Ein Resultat, das im Boxen keinerlei zusätzlicher Kommentare bedarf. Aus in Runde eins – das bedeutet K.O. Ein aussagekräftigeres Ergebnis gibt es im Boxen nicht. Im Ringsport liegen die (WM-)Dinge anders. Zwar schieden die Hinterländer WM-Teilnehmer Patrick Stadelmann und Thomas Suppiger aus Hergiswil und Marco Riesen aus Willisau an den Weltmeisterschaften in Moskau ebenfalls in Runde eins aus. Aber ein K.O. wars nicht.
Die Enttäuschung bei den Aktiven und deren Betreuer und Fans war im ersten Moment logischerweise gross. Im Fall von Patrick Stadelmann, der dem späteren Bronzemedaillengewinner aus Kasachstan unterlag, und Marco Riesen, der als einziger des «WB-Trios» ein WM-Drittel für sich entscheiden konnte, sogar sehr gross. Man war nah dran an Gegnern von gehobener internationaler Hubraumklasse. An Gegnern, die nicht nur für ein Olympiaprojekt auf Halbprofi- oder Profistatus umstellen können, sondern den Ringsport während des ganzen Jahres als Beruf ausüben. Die innerhalb ihres Landes immer wieder Kämpfe auf höchstem Niveau austragen müssen, um überhaupt für die Duelle an den grossen Honigtöpfen ihres Sports qualifiziert zu werden. Entsprechend abgebrüht kämpfen sie. Entsprechend virtuos ist ihr technisches Können, ihre Winnermentalität, ihre Ausstrahlung auf der Matte, ihr Sieger-Gen. Und ihre internationale Erfahrung.
In Willisau und in Hergiswil haben die Verantwortlichen um die Präsidenten Werner Bossert und Walter Stadelmann die Zeichen der Zeit erkannt. Sie fordern und fördern ihre besten Athleten, schaffen ihnen ein für schweizerische Verhältnisse ausgezeichnetes Umfeld. Geben ihnen die Möglichkeit, für eine bestimmte Zeit unter professionellen Bedingungen zu trainieren und Wettkämpfe gegen Gegner auszutragen, denen sie nicht zum vornherein überlegen sind wie in der nationalen Mannschafts-SM.
An der WM in Moskau sorgte der Freiämter Pascal Strebel in der Klasse bis 66 kg Greco mit einem feinen siebten Platz für das beste Schweizer Ergebnis. Ein solches Resultat liegt an kommenden Titelkämpfen auch für die Hinterländer im Bereich des Möglichen. Aber nur, wenn man das «Lehrgeld» in Moskau als Investition für die Zukunft betrachtet. Und weiter kompromisslos in die besten Ringer investiert. Damit der für den Ringsport zwingend nötige Befreiungsschlag in Form eines WM-Spitzenranges, oder gar einer Medaille, gelingt und so weitere Fördergelder generiert werden können. Auch und vor allem von Swiss Olympic, das die Ringer finanziell aufgrund fehlender Erfolge in jüngerer Vergangenheit finanziell deutlich zurückgestuft hat. Und damit der (Hinterländer-)WM-Traum an den kommenden Titelkämpfen nicht wie in Moskau schon nach Runde eins ausgeträumt ist.




