20.9.2010

WM-Bericht von Flurin Burkhalter

 

Wenn gleich zwei Hergiswiler an einer WM am Start sind, kann man sich das nicht entgehen lassen. Wir (Walter Stadelmann, Flurin Burkhalter und Urs Zemp) liessen uns diese Gelegenheit nicht entgehen und reisten ebenfalls für wenige Tage in die russische Hauptstadt.

 

Die Schweizer Greco-Delegation an der WM (von links): Nationaltrainer Volker Hirt, Pascal Strebel, Patrick Stadelmann, Thomas Suppiger.

 

 

Während Patrick und Thomas bereits seit Samstag in Moskau waren, ging unser Russland-Abenteuer am Montag los. In aller Frühe machten wir uns auf zum Flughafen Zürich. Via Genf waren wir bereits mittags in Moskau gelandet. Mit sicherem Verhandlungs-geschick ergatterten wir uns eine preiswerte Taxifahrt ins Hotel. Auch in Russland gäbe es Strassenverkehrsregeln. Schnell bemerkten wir jedoch, dass unser Taxifahrer davon eine eigene Interpretation hat. So verging die einstündige Fahrt auf Moskaus verstopften Strassen wortwörtlich wie im Flug.

 

Moskau hat über 10 Millionen Einwohner. Dementsprechend gross war unser Hotel. Mit seinen 1800 Zimmern könnte das Cosmos gar sämtliche Einwohner der Gemeinde Hergiswil beherbergen!

 

Patrick machte viel Dampf

Dienstag war der grosse Tag von Patrick. Im Abringen traf er auf Almat Kebispayev aus Kasachstan. Im ersten Drittel verlor er durch Verlassen der Matte mit 0:1. Im zweiten Abschnitt machte Patrick ordentlich Dampf. Am Mattenrand setzte er zu einem Standgriff an und in dem Moment gelang Kebispayev aus der Defensive einen Hüftschwung. Daraufhin musste Patrick alles riskieren, um überhaupt noch eine Siegeschance zu haben. Er trieb den Kasachen auf der Matte umher und wurde dabei mit einem Armzug ausgekontert. Es stand 0:6 und Kebispayev stand in der nächsten Runde. Die nächsten Kämpfe des Kasachen zeigten, gegen welchen Spitzenringer Patrick gerungen hatte. Der Kasache verlor erst im Halbfinale und holte sich schlussendlich die Bronzemedaille.

 

 

Eine imposante Kulisse: Das Olympia-Stadium von 1980 war der Austragungsort der WM.

 

 

Thomas und das Kraftpaket

Einen Tag später stand Thomas Suppiger in der Gewichtsklasse bis 74 kg im Olympia-Stadium von 1980 auf der Matte. Sein Gegner war Bingxuan Wang aus China. Dass der 30-jährige Chinese ein richtiges Kraftpaket ist, bekam Thomas schnell zu spüren. Wang fixierte ihm den linken Arm und brachte Thomas mit einem kräftigen Ruck in die Bodenlage. Thomas konnte den Arm nicht mehr lösen und so drehte ihn der Chinese gleich dreimal. Im zweiten Abschnitt konnte Thomas im Stand gegen den wie angewurzelten Gegner keinen Punkt erzielen und musste in die Bodenlage. Von dort gelang dem Chinesen einen Ausheber und ein weiterer Punkt. So lautete das Endresultat 0:7 und 0:4. Leider verlor Wang seinen nächsten Kampf gegen den Kirgisen. Somit war die WM auf für Patrick nach einem Kampf vorbei.

 

Ärgerlich ist es, wenn einem im ersten Kampf solche Spitzenringer vorgesetzt werden und man nach einer Niederlage bereits ausscheidet. Wir konnten uns während den drei Tagen in Moskau selber vom absoluten Weltniveau überzeugen. Die Kämpfe sind unglaublich hart und ausgeglichen und ein Quäntchen Glück braucht hier jeder. Ein Beweis dafür ist, dass auch zahlreiche Top-Favoriten in ihren Gewichtsklassen bereits früh aus dem Turnier ausschieden. Dominiert wurde die WM durch die Ringer aus der ehemaligen UdSSR. Aus dessen Aufteilung vor rund 20 Jahren entstanden Russland, Georgien, Ukraine, Armenien, Usbekistan, Aserbaidschan, Kasachstan usw. Wo früher ein WM-Teilnehmer herkam, stehen nun über einem Duzend absolute Spitzenringer aus dem Osten auf der Matte.

 

Ein klares Bekenntnis

Die WM hat gezeigt, dass Patrick und Thomas wie in den letzten Monaten weiterhin hart trainieren müssen. Ihr Ziel, die Qlympia-Quali, wird dabei oberste Priorität haben. Mit dem Projekt „Napfringer Olympia 2012“ haben die beiden Ringer wie auch die gesamte Ringerriege ein klares Bekenntnis dazu abgegeben. Die Niederlage im Mannschaftsmeisterschaftskampf gegen Freiamt, in dem die beiden Ringer wegen der WM fehlte, war ein - wenn auch ein sehr ärgerliches und vermeidbares - Opfer dieses Bekenntnisses. Dafür müssen alle Hergiswiler Fans auch künftig Verständnis haben.

 

Für die einzige Schweizer Erfolgsmeldung sorgte Pascal Strebel. Er holte sich in der Kategorie Greco bis 66 Kilogramm den hervorragenden 7. Platz – Gratulation!

 

 

Zwei Hergiswiler in Moskau: Walter Stadelmann und Flurin Burkhalter.

 

 

Sightseeing in Moskau

Am Mittwochmorgen nutzen wir die Gelegenheit, uns einem deutschen Ringer, welcher sich in Moskau etwas auskennt, anzuschliessen. Denn sich in Moskau auf eigene Faust zu orientieren, ist fast unmöglich. Es sei denn, man kennt sich mit dem kyrillischen Alphabet aus. Die Exkursion führte uns zum Roten Platz, Kreml und Basilik. Dort erlebten wir einmal mehr die russische Freundlichkeit. So wurde uns anfänglich an mehreren Orten der Zutritt verwehrt. Als wir fünf Minuten später wieder dort vorbei gingen, waren die netten Polizisten und die Absperrungen längst wieder weg. Vielleicht haben wir auch schlichtweg vergessen, einige Rubel locker zu machen.

Mit den vielen Eindrücken aus der russischen Metropole machten wir uns am Donnerstag auf den Rückweg in die Schweiz.

 

PS: Ein Vorurteil können wir bestätigen – Moskau ist teuer, sehr teuer und der Rubel rollt.

Projekt Napfringer - Olympia 2012